Ein Jahr Uganda – Mein Leben an der St. Mark School for the Deaf – Bwanda

 

 

 

Mein Traum von Uganda!

 

 

 

Seit dem Jahr 2009 habe ich mir fest vorgenommen, dass ich nach meiner Ausbildung ein Jahr im Ausland verbringen möchte. Zu dieser Zeit war gerade ein Freund von mir in Tansania und hat mir täglich von seinen Erfahrungen berichtet. Vieles was er mir erzählt hat, hat mich sofort begeistert, ob es die Natur und seine Tiere, die Kultur oder die Menschen vor Ort waren. Natürlich hat er auch Dinge erzählt, die mich zurückschrecken haben lassen, wie, dass er in einem Bus saß, der umgeflogen ist oder er Malaria hat. Aber das hat mich nicht abgeschreckt sondern eher mehr motiviert mir das ganze Mal Live anzuschauen. Daher auch mein großes Interesse an einem ostafrikanischen Land, insbesondere Uganda. Es waren auch noch weitere Freunde die letzten Jahre im Ausland. Unteranderem eine Freundin in Uganda, welche mir viele Dinge aus ihren Arbeitsalltag aber ihrer Freizeit erzählt hat, bzw. habe ich ihren Blog gerne und regelmäßig gelesen.
Zwei meiner Freundinnen kommen aus Kenia, sie erzählen oft etwas von ihren Familien und ihrer Kultur. Dies alles hat mich so begeistert und mich in meiner Entscheidung noch mehr bestärkt.
Mir war bewusst, dass es ein großer Schritt ist für ein Jahr von zu Hause fort zu sein, doch dachte ich, dass es eine großartige Erfahrung sein wird.  Da ich bereits vor vier Jahren von zu Hause ausgezogen bin und nur gelegentlich zu meiner Familie fahre, bin ich es schon gewohnt sie eine Zeit lang nicht zu sehen

Ich wollte meinen Horizont erweitern und von Menschen aus einem anderen Land mit anderen Kulturen und Lebensweisen lernen, dass es auch was anders gibt, als wie in Deutschland. 

Nun nach einem Jahr hab ich so vieles gesehen, dass ich gar nicht weiß, wo ich Anfangen soll.

Am 24.08.2015 ging es für mich von München über Dubai nach Entebbe. Es zwar nicht das erste Mal, dass ich in ein afrikanisches Land geflogen bin, im gleichen Jahr war ich bereits in Südafrika. In Entebbe wurde ich von Heike, meiner Vorgängerin, und Michael dem Fahrer der Schule abgeholt.
Da ich vom langen Flug sehr müde war, wollte ich einfach nur schlafen und nicht die schöne Landschaft genießen. Ich dachte mir, dazu hab ich noch ein ganzes Jahr zeit. Leider wurde mir da ein Strich durch die Rechnung gezogen, da Michael aufgrund von Stau eine Nebenstraße gewählt hat, die sehr holprig war. Nach ca. einer Stunde kamen wir auf eine ´Teerstraße und ich bin sofort eingeschlafen. Am Äquator haben wir natürlich angehalten und ich total verschlafen, habe mich in dieses Monument gestellt und Fotographieren lassen.
Es wurde schon dunkel, als wir in Bwanda ankamen und da ich immer noch sehr müde war, haben wir noch kurz was gegessen und dann ging es für mich auch schon direkt ins Bett. Zu diesem Zeitpunkt war auch noch eine deutsche Augenärztin in Bwanda und kam am nächsten morgen zum Frühstück vorbei, wodurch mir der Einstieg doch sehr leicht gemacht wurde.


Wie sieht das Zimmer aus?
Nunja, es sind zwei sehr kleine Räume, der erste Raum hat ein kleines Schränkchen zum aufbewahren von Lebensmitteln und Küchenutensilien, einen Tisch und zwei Stühle und eine Matratze am Boden als Sofaersatz. Der zweite Raum hat einen Stuhl als Kleiderschrank, ein schmales Bett und einen Schreibtisch mit Stuhl, zudem ist hier noch das Bad integriert, also ein kleiner Raum mit Toilette, Waschbecken und einem kleinen Hängeschrank. Hier hatte ich auch meistens fließend Wasser. Falls dies mal nicht der Fall war, musste ich mit 10 Liter Kanistern zum Wassertank laufen und hoffen, dass dort noch Wasser drin ist. Ein paar Tage war ich darauf angewiesen, dass mir Wasser gebracht wurde. Ich als weiße darf nicht zum Wasser holen an das nächste Wasserloch gehen, wobei mir das nichts ausgemacht hätte, denn die Kinder laufen da ja auch immer hin. So hätte ich mit den Kids zusammen laufen können und wäre dann evtl. auch nicht mehr so sehr als weiße aufgefallen.
In meinem zweiten Zimmer habe ich mir dann noch eine Schnur gespannt und Kleiderbügel gekauft um dort meine Kleidung aufhängen zu können, genauso wie ein kleines Regal für Socken und Unterwäsche und aus Flaschen und einem kleinen Korb habe ich mir Stauraum im Bad geschaffen. Diese konnte ich im Bad glücklicherweise an der Decke befestigen. Im ersten Raum hab ich mir auch noch ein kleines Regal hingestellt, da in den Schrank nicht alle Lebensmittel gepasst haben.
In jedem Zimmer war ein vergittertes Fenster. Im ersten Raum konnte ich vom Fenster zur Türe eine Hängematte aufhängen.

Heike hat mir ein wenig die nächste Stadt Masaka gezeigt und wo ich was einkaufen kann. Die meiste Zeit haben wir an einem Hotelpool und an der Schule verbracht. Um in die Stadt zu kommen, kann man nicht einfach mal in einem Bus einsteigen und regelmäßiger Verkehr besteht auch nicht. Das heißt, man muss auf Motorradtaxis zurückgreifen. In Uganda werden diese „Boda-Boda“, ausgesprochen „Border to Border“, übersetzt heißt das „von Grenze zu Grenze“, also von Punkt A zu Punkt B. Auf den Motorrädern kann man quasi alles Transportieren, von normalem Koffer oder Paket bis hin zu Matratzen, Fahrräder oder auch andere Boda-Bodas. Diese werden vorwiegend von Männern gefahren, es handelt sich hierbei um eine 125er Maschine, die besonders auf dem Dorf ohne Helm gefahren wird und nicht mehr die neusten sind. Meistens gehören diese nicht dem Fahrer selbst, sondern einem Chef, dem sie 10.000 UGX, also 2,64€ pro Tag bezahlen müssen. Eine Fahrt von mir nach Nyendo, einem Vorort von Masaka, kostet max. 3.000 UGX und bis nach Masaka sind es 4.000 UGX, Spritverbrauch für diese Strecke sind max. 1.500 UGX. Um Gewinn zu machen, müssen sie also mindestens 8 x diese Strecke fahren. Für eine Strecke brauchen sie 30 Minuten und sie finden nicht sofort wieder jemanden, da es viel zu viele solcher Fahrer gibt. Daher werden die Preise immer sehr hoch angesetzt und ich musste oft verhandeln. Deshalb hab ich immer geschaut, dass ich mit jemandem fahre, den ich bereits kenne, denn da ist kein Verhandeln mehr nötig. Es gibt überall Stellen, wo sich diese Fahrer versammeln und warten. Immer wenn ich an eine bekannte Stelle hin gekommen bin, hab ich darauf gewartet, dass jemand bestmöglich bereits meinen Namen kennt, oder zu mindestens weiß, wo ich wohne. Am liebsten bin ich mit Franka (eigl. Francis) gefahren, den er war sehr nett, ist gut gefahren, konnte gut Englisch und ein Verhandeln war von Anfang an nicht notwendig. Er ist ein Freund von den Lehrern und wohnt auch dort in der Gegend. Gut 2 oder 3 mal haben wir auf dem Heimweg bei ihm Zuhause vorbei geschaut, da er für seine Familie etwas in der Stadt eingekauft hatte, bzw. mich vorher gefragt hat, ob es okay wäre, wenn er noch kurz etwas kaufen würde und wir dies bei seiner Familie abgeben könnten, bevor er mich Nachhause bringt. Seine Kinder sind sehr lieb und die meisten können auch schon sehr gut Englisch, wodurch ich mich gut mit ihnen Unterhalten konnte.
Es gibt auch Taxis, aber eine Fahrt mit dem Taxi kostet gerne mal 20.000 – 30.000 und das ist eindeutig zu viel.

Nach zwei Wochen ist Heike heim geflogen und ich war nun auf mich selbst gestellt.

Die Menschen in Uganda sind sehr hilfsbereit und fürsorglich, so habe ich mich nie alleine gefühlt.
Als die Kinder zurück aus den Ferien kamen, war ich schon 2 ½ Wochen in Uganda und habe mich sehr gefreut endlich die Kinder kennenlernen zu dürfen. Bis alle Kinder da waren, vergingen gut 3 Wochen, was mir den Einstieg erleichtert hat. So konnten mir die beiden Lehrerinnen der Taub-Blinden-Schule genau zeigen, wie sie unterrichten und ich konnte mir schon grob ein Bild machen, wie mein Jahr hier ablaufen könnte. Ich habe nach einer Woche zwei Mädchen, Gamerwa und Hasifa, übernommen und diese in Englisch, Mathematik und Gesundheitslehre unterrichtet. In Englisch ging es speziell darum, einfache Wörter wie Reis, Tomate, Gabel usw. zu erlernen, aber auch das Alphabet und das natürlich alles auch in der Gebärdensprache. In Mathematik ging es darum, Zählen zu lernen. Die Zahlen konnten sie so mehr oder weniger schon, aber nie in der richtigen Reihenfolge, was für mich zu einer großen Herausforderung wurde. In Gesundheitslehre ging es meist um Körperteile und Hygieneprodukte, die beiden Mädchen durften dann Bilder verbinden, sowas wie Zahnbürste und Zähne, Wasserkanne und Schüssel…
Gemeinsam mit den anderen Lehrerinnen habe ich die Kids in Sport, Kochen und Handarbeit unterrichtet. Jeden 2ten Abend habe ich in P1 oder P2 geholfen Mathematik zu unterrichten und 3-mal die Woche habe ich noch die 6.te Klasse der Gehörlosenschule in Informatik unterrichtet. Hier durfte ich nach eigenem Ermessen mir einen Lehrplan erstellen und das von mir vorbereitete den Kindern beibringen. Da die Kinder zuvor noch nie einen Computer benützt haben, musste ich ganz vorne beginnen mit: wie mache ich den Computer an, wie bediene ich die Maus, was bedeutet ein Doppelklick und wie funktioniert die Tastatur. Mit einfachen Computerlernspielen von Budenberg habe ich angefangen den Umgang mit der Maus den Kindern spielerisch beizubringen, was sehr gut funktioniert hat, wobei der Doppelklick trotzdem weiterhin schwer für alle war. Da ging es mit der Tastatur um einiges schneller. Mithilfe von Plakaten habe ich einige Tasten wie „Enter“, „Leer-Taste“, „Großschreib-Taste“ etc. erklärt und diese an die Wand gehängt, sodass dort immer nachgesehen werden konnte. Vor jeden Ferien werden Prüfungen geschrieben und so habe ich in Informatik zu Beginn diese Tasten aufgemalt und die Kinder mussten das Wort dahinter schreiben. Die Antworten waren göttlich, z.B. „Enter for a better life“ – „Betreten für ein besseres Leben“ oder „Space with luck“ – „Leer mit Glück“. Darauf musste ich einfach Punkte geben, da zum einem das erste Wort das von mir gefragte Wort war und der Rest sehr kreativ war.
Auch meine beiden Mädels in der Taub-Blinden-Schule musste ich Prüfen. Hierfür hab ich offizielle Prüfungsbögen von der Vorschule bekommen. Es war alles viel Schwieriger als dass, was ich bis dahin den beiden beibringen konnte. Deshalb habe ich mit den Lehrerinnen besprochen, dass wir einfache Hilfestellungen geben dürfen und besonders den Text erklären, damit sie überhaupt die Chance haben zu verstehen, was sie machen sollen.
Wie  ich ihnen das erklären konnte?
Ich hab von Anfang an mit der gehörlosen Erzieherin für die Taub-Blinden-Jungs, jeden Abend 1 – 2 Stunden ugandische Gebärdensprache gelernt, sodass ich nach 3 Monaten Gesprächen folgen konnte und alles, was ich sagen wollte irgendwie gebärden konnte. Natürlich kann ich immer noch nicht alle Gebärden, aber dafür gibt es auch einfach zu viele Fachspezifische Gebärden, die ich nie gebraucht hab.
Die Erzieher/innen leben gemeinsam mit den Kindern in den Schlafsälen und da ich im gleichen Gebäude mein Zimmer hatte, habe ich viel Zeit mit den Kindern verbracht und eben auch die Möglichkeit gehabt jeden Abend Gebärdenunterricht bekommen zu können. An der Taub-Blinden-Schule habe ich gemeinsam mit Schwester Angela, Sarah (Lehrerin) und ihrer Tochter Abigail und natürlich den Jungs und Mädchen mit ihren Erzieherinnen Kevina und Nabanjja zusammen gelebt.

Unter der Woche fand ich es immer super, aber am Wochenende, wenn ich ausschlafen wollte, war dies für mich nicht möglich, da direkt vor meinem Zimmer der Spielplatz ist und die Kinder um spätestens 7.30 dort das Spielen angefangen haben. So hab ich oft versucht, dass ich die Wochenenden bei Freunden in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, verbringe. Es dauert mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen 2 und 5 Stunden in die Innenstadt von Kampala zu kommen, was ich gut 2 mal im Monat auf mich genommen habe, da ich dort sehr schnell einen großen Freundeskreis bestehend aus Deutschen, Holländern und Ugandern hatte.
Kampala ist eine sehr moderne Stadt mit vielen Einkaufszentren und wunderschönen Cafés. Diese Abwechslung habe ich oft sehr dringend gebraucht, da es an der Schule doch alles sehr einfach ist und das Gesprächsniveau sich auf wesentliche Dinge, wie Kochen, Waschen und wie ist Deutschland? beschränkt hat. Bwanda ist einfach ein Dorf und die Lehrer kommen alle aus dieser Richtung. Der Unterschied zwischen Dorf und Stadt ist gewaltig und war für mich manchmal nicht einfach. Natürlich gibt es überall in den Städten sehr viele weiße, meist Holländer, Engländer, Amerikaner oder Deutsche. In Bwanda gab es noch eine Amerikanerin namens Jenny. Das fand ich immer sehr lustig, da es so viele Namen gibt, aber wir beide Jenny heißen.
Im Umkreis von gut 15 km gab es nur selten für kurze Besuche weiße, mit denen ich nie etwas zu tun hatte. 25 km weiter in Richtung Busch hatte ich eine Freundin, mit der ich besonders in den Ferien ein wenig Zeit verbracht habe.

 

Von Ende November bis Ende Februar waren lange Weihnachtsferien. Normalerweise fangen die Ferien erst Anfang Dezember an, da aber am 25.11 der Papst zu Besuch nach Kampala kam, haben alle Schulen schon früher geschlossen. Und da am 14.02. die Präsidentenwahlen waren, haben alle Schulen aus Sicherheitsgründen erst wieder am 22.02 begonnen. In diesen 3 Monaten bin ich viel gereist und hab Besuch von einer guten Freundin, einem Freund und meinem Papa mit meinem Onkel bekommen. Zu Beginn ging es an die Küste nach Tansania, da ich mich sehr nach Wasser gesehnt hab, in das man Bedenkenlos gehen kann, denn der Viktoriasee, der übrigens so groß wie Bayern ist, hat viele Gesundheitsschädliche Tiere besonders an den Stränden, welche im Körper massive Schäden hinterlassen und eine Todesursache sein können. Es gibt gute Medikamente dagegen, aber man muss es ja nicht ausreizen. Die Küste war sehr schön und ich hab die Zeit sehr genossen. Zwischen diesem Besuch und dem nächsten war ich noch auf einer Hochzeit von einem Lehrer. Es war sehr schön zu sehen, wie sich zwei Menschen in Uganda das „Ja-Wort“ geben und wie danach so gefeiert wird, bzw. was viel wichtiger ist, sind die Zeremonien davor. Rund 3 – 4 davon finden vor einer Hochzeit statt und eine davon ist ganz und gar nur dem Vater der Braut gewidmet.
Danach kam eine Freundin, mit der ich Weihnachten und Silvester verbracht hab. Weihnachten in Uganda wird wie in Amerika am morgen des ersten Weihnachtsfeiertages gefeiert und am 24.12 gibt es abends leckeres Essen. Einen Baum gibt es nicht, aber Schmuck über Schmuck und überall laufen Weihnachtslieder, was bei einen Temperatur von rund +25°C sehr komisch wirkt und mir als Allgäuerin dann doch schon sehr der Schnee fehlt. An Weihnachten mit Rock und T-Shirt raus gehen zu können, die Sonne im Gesicht zu spüren und mal schnell auf dem Markt noch die letzten Zutaten für das Weihnachtsessen einkaufen zu können war eine großartige Erfahrung. Silvester haben wir dann in Kampala gefeiert, da nur an angemeldeten Orten ein kurzes Feuerwerk stattfinden darf, haben wir uns einen schönen Platz auf einem kleinen Berg ausgesucht und konnten gleich 4 Stück gleichzeitig begutachten. Feiern können die Ugander!

Da dann die Ferien noch lang waren und ich ein bisschen was tun wollte, hab ich eine Woche in einer Baumschule geholfen Setzlinge einzupflanzen, eine Woche einem Physiotherapeuten geholfen und in der Woche darauf in einem Zentrum für Menschen mit Behinderung mitgeholfen. Es waren tolle Erfahrungen und bin sehr dankbar dafür, dass ich für je nur eine Woche einen Einblick bekommen durfte und nun einiges über Mangos, Jackfruit und andere Bäume gelernt hab, aber auch die Arbeit mit dem Physiotherapeuten war sehr lehrreich und konnte ein paar Dinge davon auch mit einer Schülerin an der Schule machen.

 

Mit meinem Papa habe ich noch eine Safari gemacht und uns das Land aus der Sicht von einem Ingenieur angeschaut. Sehr interessant, was meinem Papa  und meinem Onkel so alles aufgefallen ist, worauf ich gar nicht geachtet hatte.

Kurz vor den Präsidentenwahlen kam Schwester K. Josephine zu mir und hat mir mitgeteilt, dass ich doch bitte heute noch so viel Einkaufen gehen soll, dass ich die nächsten 1 ½ Wochen nicht in die Stadt muss. Ich war sehr erschrocken, was für Vorsichtsmaßnahmen da für mich getroffen werden sollten, aber als es dann soweit war, wusste ich, dass es sehr klug war, dass ich nicht weit gegangen bin. Kurz vor den Wahlen hab ich noch die Freundin zu mir eingeladen, da ihr die gleichen Vorschiften aufgelegt wurden und jeweils alleine auf dem Gelände zu sein (es waren ja noch immer Ferien und keine Kinder und quasi keine Lehrer an der Schule), hatten wir beschlossen, dass es bei mir viel schöner ist. Wir haben die Zeit mit ganz viel Kochen und Photographieren verbracht. Über soziale Netzwerke hatten wir gehofft, dass wir etwas über die Wahlen mitbekommen, leider war das totale Fehlanzeige, da uns einen Tag zuvor bis 4 Tage danach das Internet, besonders soziale Netzwerke gesperrt wurde, zum Teil gingen auch SMS und Telefonate nicht mehr, sodass ich meiner Familie nicht mal mitteilen konnte, dass es mir gut geht und sie sich keine Sorgen machen müssen.

Direkt nach den Ferien habe ich Angefangen bei einer Lehrerin Luganda-Unterricht, die lokale Sprache, zu nehmen und hatte so jeden 2.ten Abend etwas zu tun. Da ich nicht viel davon gehalten habe, abends in meinem Zimmer zu sitzen, hab ich an den Tagen ohne Luganda-Unterricht der gleichen Lehrerin in der 1.ten oder 2.ten Klasse geholfen Mathe zu unterrichten. Der Unterricht am Abend beginnt um 19.30 und geht bis 21.00 Uhr.

 

Kurz nachdem die Schule wieder begonnen hat, kam Gerhard Ehrenreich, Andreas Heindel und Alena Michel und kurz später, nachdem Andreas wieder abgereist ist, kamen Winfried Locher und Burkhard Lohmann vom Projektteam. Es war für mich sehr schwierig, meine Position zu finden. Es wurde von mir erwartet, dass ich alle Mahlzeiten mit dem Team einnehme und habe daher keine Essen mehr bei den Lehrern bekommen. Frühstück und Mittagessen hab ich immer gemeinsam mit den Lehrern eingenommen, da das Team im Gästehaus selbst gefrühstückt hat, hab ich mein Frühstück, Poregge, noch gemeinsam mit den Lehrern eingenommen, das Mittag und Abendessen mit dem Team, wobei ich mich oft rausgerissen gefühlt hab, da ich die Gespräche mit den Lehrern Mittags immer sehr genossen hab. Auch war ich hin und her gerissen, was ich tun soll, soll ich ganz normal weiter arbeiten, braucht das Team meine Hilfe??? So hab ich morgens normal mit Arbeiten begonnen und gewartet, bis jemand kam und mir neue Aufgaben gegeben hat, was meist so ab um 10:00 Uhr war. Danach hab ich oft wenig Zeit mit meiner Klasse verbracht, obwohl ich inzwischen von 2 auf 4 Mädchen umgestiegen bin (Gamerwa, Hasifa, Dianah und Zahara), da ja mit neuem Schuljahr auch 3 neue Kinder an die Taub-Blinden-Schule kamen und wir somit umstrukturieren mussten.

 

Die Besuche an den Schulen in Ntungamo und Isingiro haben mir sehr gut gefallen, auch wenn ab und an für mich das zusammen sein mit Schwester Josephine sehr anstrengend war, da ich es von den 4 Schwestern in Bwanda gewohnt war, dass ich sehr viele Freiheiten hatte. Ich hab mich täglich mit den Schwestern unterhalten, aber dabei haben wir uns oft schon nicht mal mehr die Hand gereicht. Körperkontakt war ein großes Bedürfnis von  Schwester Josephine, womit ich Persönlich nur sehr schwer zu Recht komme. Ansonsten war es sehr schön, die Kinder, die ich schon von Fotos aus den Ordner der Patenschaften kannte, wirklich zu sehen. Die Schule ist genauso wie die Schule in Bwanda sehr ländlich gelegen und dadurch in eine wunderschöne Landschaft gehüllt. Die Schwestern in Ntungamo sind gefühlt noch etwas christlicher, als die Schwestern in Bwanda, den das Tischgebet, sowie das Abendgebet wollten einfach nicht enden. In Bwanda ist das ein kurzer Spruch und dann wird gegessen bzw. ins Bett gegangen. Die Schwestern gehören nicht dem gleichen Orden an, wodurch vermutlich diese Unterschiede kommen.
Da ich sehr gerne Photographiere, habe ich mich die meiste Zeit hinter der Kamera versteckt und alle schönen Momente festgehalten und mich natürlich auch um die Patenschaften gekümmert und strahlende Kindergesichter gesehen habe, wenn sie ihr Foto gesehen haben. Warum auch immer, wird den Kindern beigebracht, dass sie auf Fotos nicht lachen dürfen, was die Erwachsenen oft auf Fotos auch nicht tun. Sobald die Kinder, besonders aber hörende Kinder, eine Kamera sehen, setzen sie eine ernste Miene auf und sobald sie das Foto sehen, strahlen sie über das ganze Gesicht. Daher freue ich mich immer sehr, dass ich viele Fotos habe, auf denen die Kids lachen.

 

Nach dem vier-wöchigem Besuch habe ich mich dann wieder ganz und gar meine 4 Mädchen widmen können und habe tolle Erfolge erzielen können. Die vier Mädchen konnten zuvor ihren Namen nur abschreiben, mein Ziel war es, dass sie ihren Namen ohne Hilfe schreiben und im Fingeralphabet gebärden können und dies habe ich nach langem üben auch geschafft. Ein zweites Ziel war bessere Englischkenntnisse, wo ich bei zwei Mädchen sehr gut erfolge hatte. Sie konnten die Wörter, welche ich vorgeschrieben oder gemalt hab, sehr schnell schreiben und lesen. Die anderen beiden hatten hier noch oft Probleme. Das Alphabet konnten sie nach langem üben auch, genauso wie die Zahlen bis 20. Leider war rechnen nur bei einem Mädchen erfolgreich.
In den Sport und Bewegungszeiten hab ich mich Maria, einem Mädchen mit Gehbehinderung gewidmet. Sie kann am Rollator laufen und so war mein Ziel, ohne Rollator laufen zu können und dies tatsächlich geschafft.

 

Einige Wochen später ging es mir nicht besonders gut und mit den Lehrern und Schwestern hatte ich plötzlich kein gutes Verhältnis mehr, weshalb ich mich nach den Ferien im Mai dazu entschieden hab, für eine kurze Zeit an die Berufsschule in Isingiro zu gehen.
Die Schule ist klasse und die Schwestern, welche die gleiche Zugehörigkeit haben, wie die Schwestern in Ntungamo, sind sehr nett. Ich habe mich dort täglich in die Klasse der gehörlosen SchneiderschülerInnen gesetzt und habe von den Schülern gelernt, wie man Babykleidung schneidert und hab den neuen Schülern geholfen, ein Kissen aus vielen kleinen Stoffstücken zu nähen. Da meine Oma Schneiderin ist, hab ich schon früh gelernt, mit einer Nähmaschine umzugehen und hab das die letzten Jahre auch, neben Stricken, immer gerne gemacht. So war diese Klasse für mich sehr gut geeignet, da ich die Schwester unterstützte, aber die Jugendlichen mir auch noch viel beibringen konnten. Nach dem Unterricht hab ich oft noch bei den Handarbeiten zugeschaut, bzw. mitgemacht oder haben Maiskörner abgepellt. Da in Isingiro das Internet sehr schlecht war, musste ich für viele Angelegenheiten nach Mbarara, der nächsten großen Stadt, fahren. Die Tour war immer sehr amüsant, in einem normalem 5-Sitzer Auto sind wir meist so zwischen 8 – 10 Leute + Fahrer gewesen. Gurte, Platz, Privatsphäre werden völlig überbewertet. Mbarara ist eine sehr schöne Stadt und hat natürlich ein Café, in dem das W-Lan für die Nutzung von 24 h nur 0,25 € kostet. Das W-Lan ist schnell und gut, somit konnte ich hier lange E-Mails schreiben und Anhänge verschicken, oder mit meiner Mama skypen. Im Café Ark gab es auch sehr leckere Speisen und Getränke. Nur leider war das Kontakte knüpfen hier viel schwieriger, als ich es von Masaka aber auch Kampala gewohnt war. So war ich hier meistens alleine und die Kellnerinnen waren oft sehr beschäftigt, dass das bestellen oft etwas länger gebraucht hat. Wenn man früh morgens dort war, war oft noch wenig los und so haben die Kellnerinnen einen oft nicht beachtet.

Die Zeit bis mein Nachfolger ankommt, war nicht mehr weit weg, daher war es nun meine Aufgabe, sein Arbeitsvisum zu beantragen. Leider wurde das System zur Beantragung am 1.Juni.2016 geändert und somit war ich eine der ersten, die mit dem neuen System arbeiten musste. Von BEZEV hab ich einige Formulare bekommen und da diese sich so widersprochen haben, da sowohl das alte und das neue System mir zugeschickt worden ist und ich nicht wusste, was jetzt das aktuelle und was das alte ist, saß ich einige Stunden am Laptop und hab das Internet durchforstet, bis ich nach vielen E-Mails mit der Landesansprechpartner etwas Klarheit bekommen hab. Bei mir war es noch so, dass die Schwestern ein paar Formulare unterschreiben und eine Einladung und eine kurze Beschreibung der Schule verfassen mussten. Jetzt ist es so, dass sich die Schule beim Ministry of internal Affairs registrieren muss. Dazu braucht man das Zertifikat, dass die Schule beim Ministry of Education and Sport registriert ist, eine Grundstücksurkunde, ein Konzept, Informationen über die Schulleiter und Stellvertretung, sowie die Anzahl aller Lehrer und nicht unterrichteten Mitarbeitern, wie Köche, Betreuerinnen und Co. Da ich ja in diesem Moment gerade in Isingiro war, gestaltete es sich schwer, diese Unterlagen zu bekommen. So habe ich mit Anrufen und SMS versucht die Schwestern in Bwanda darauf vorzubereiten, welche Unterlagen sie heraussuchen sollen, damit ich diese dann abholen kommen kann. Nur leider haben die Schwestern so ganz und gar nicht verstanden, was ich brauche und so bin ich an einem Freitagmorgen nach Bwanda gefahren und habe tatsächlich 1 ½ Tage gebraucht, bis ich alles beisammen hatte. Die Unterlagen mussten alle auf eine CD gebrannt werden, was nochmal eine ganze Weile gedauert hat, da mein Laptop sich immer wieder quer gestellt hatte. Den darauffolgenden Montag bin ich nach Kampala gefahren um die CD dort abgeben zu können und dann wurde mir gesagt, dass sie die Unterlagen nur in PDF Format nehmen. Ich ohne Laptop musste mir nun jemanden suchen, der mir diese Dokumente umwandelt und wieder auf eine CD brennt. Da dies so lange dauerte, musste ich die Nacht in Kampala bleiben und konnte erst am nächsten Morgen meinen Rückweg angehen.  Eine Woche später hätten wir einen Code bekommen sollen, mit welchem das Arbeitsvisum beantragt werden kann. Da ich ja wieder in Mbarara war, und die Schwestern in Bwanda mit dem Internet oft Probleme haben, hab ich bei jedem Nachfragen entweder gesagt bekommen, haben kein Guthaben, Internet ist schlecht oder es sei noch keine E-Mail gekommen. So hab ich beschlossen, selbst nochmal nach Kampala zu fahren und nachzufragen. Dort hab ich erfahren, dass es wohl ein Problem mit der Registrierungsnummer der Schule beim Ministry of Education and Sport gibt und diese nicht vorhanden ist. Wie gut, dass ich diesmal sehr gut vorbereitet dort hin gefahren bin und diese Nummer dabei hatte. Die Mitarbeiter beim Ministry waren sehr erstaunt und haben die Nummer eingetragen. Da nun wohl alles passte, wurde mir versichert, dass der Code, welcher mir ausgehändigt wurde, ab in einer Stunde freigeschalten ist und ich über das Online-Formular das Arbeitsvisum beantragen kann. Also habe ich mir wieder ein Café mit W-Lan gesucht und mich in mein Lieblingscafé, das Endiro Café, gesetzt und mein Glück versucht. Leider ging nichts und da es schon nach 16.00 Uhr war, brauchte ich auch nicht mehr zurück zum Ministry, also hab ich es am nächsten morgen nochmal versucht und gesagt bekommen, dass sie es vergessen hätten, den Code freizuschalten, es nun aber getan hätten. Also zurück zum Café… Der Code funktionierte jetzt, aber die Dokumente, die man hochladen muss, wie Foto, Foto vom Reisepass, Führungszeugnis, Abschlusszeugnis und noch ein paar Unterlagen der Organisation und der Schule, leider dürfen diese nur eine so minimale Kilobyte anzahl haben, dass ich wieder und wieder versucht habe, diese Dokumente so klein wie möglich zu bekommen. Am späten Nachmittag hatte ich es endlich geschafft. Für die Zukunft weiß ich nun, wie das Ganze funktioniert und in der Zukunft wird dies um einiges einfacher werden.

Bis zum 31.07. war ich in Isingiro und bin dann wieder zurück nach Bwanda und hab mich in dieser letzten Woche, bevor mein Nachfolger ankommen wird, nicht mehr mit dem helfen der Lehrer beschäftigt, sondern alles darauf vorbereitet, dass ich die Patenschaften gut von Deutschland aus machen kann und viele Dinge für das Kindermissionswerk geschrieben, viele Gespräche mit den Schwestern geführt und angefangen meine Sachen zu packen. Zu diesem Zeitpunkt fühlte es sich so an, als ob ich erst ein paar Wochen dort gewesen wäre und nicht schon fast ein ganzes Jahr. Es haben sich so viele Sachen angesammelt, dass ich gar nicht wusste, wohin ich die alle packen sollte. Zum Glück ist eine Freundin, die ein Projekt in der Nähe besucht hat, zwei Wochen später heim geflogen und hat gut 10 Kg von mir mitgenommen. So hatte ich am Flughafen trotzdem noch 32 kg und einen vollen Rucksack und die Laptoptasche bis obenhin voll gemacht.
Aber jetzt erst mal zu meine letzten beiden Wochen.

Am 9.8 habe ich meine Nachfolger vom Flughafen abgeholt und bin dann mit ihm zusammen in das Gästehaus der Schwestern gezogen, damit jeder von uns ein Bett hatte und das ankommen für ihn etwas einfacher ist, da der Standard in diesem Gästehaus doch normal ist – Heiße Dusche, Kühlschrank, Backofen und und und. Ihm habe ich versucht einige Ort in Masaka, aber auch in Kampala zu zeigen und haben es tatsächlich geschafft, an einem Tag sein Arbeitsvisum zu bekommen. Es war schön auch mal jemand anderen Deutschen mit im Projekt zu haben, wobei ich die Zeit mehr als nur genossen habe, da ich so den Kontakt  zu den Lehrern aufbauen musste, damit ich nicht alleine bin. Wenn von Anfang an, ein anderer Deutscher mit dabei gewesen wäre, hätte ich vermutlich die lokale Sprache, wie auch die Gebärdensprache nie so gut gelernt, genauso hätte ich weniger Freundschaften und hätte das Leben der Ugander nie so nahe erlebt, wie ich es erleben durfte. Die Lehrer haben mich mit in ihre Familien genommen, mich ihren Eltern vorgestellt, wenn auch oft nur um zu beweise, dass sie eine weiße Kollegin haben, aber ich empfand es immer als Ehre mitgenommen zu werden.