Ugandareise 2009 - Rückblick von Doris Ehrenreich

Im April dieses Jahres reiste ich nach Masaka und Ntungamo / Uganda. Mein Ehemann, Leiter des Projekts war bereits 6 Wochen dort, als ich mit einem Projektmitarbeiter, einer Dolmetscherin und einer guten Bekannten ankam. Der Flug von Frankfurt nach Äthiopien dauerte 7,5 Stunden. Nach 3 Stunden Aufenthalt (wir durften das Flughafengebäude nicht verlassen) flogen wir weitere 2,5 Stunden nach Entebbe (Uganda). Während der 200 km langen Fahrt mit dem Auto nach Masaka wurde die Armut des Landes deutlich. Die Häuser reihen sich wie Slums aneinander. Entlang der Straßen stehen die Menschen vor ihren Lehmhütten, die meisten sind stark beschädigt. Die Kinder sitzen vor den Häusern. Die Luft ist staubig, teilweise stinkt es nach Abgasen, verbrannten Müll und vielem anderen. Als weiße Menschen werden wir überall angeguckt, viele Kinder winken uns auch. Die Menschen tragen große Lasten auf ihren Köpfen oder stapeln Lebensmittel wie Bananen (Matoke) auf ihren Fahrrädern. Die Straßen sind voller Schlaglöcher, geteert sind die wenigsten. Man fährt durch Staub und nach Regen ist überall Schlamm. Den Menschen mangelt es an sehr Vielem. Essen, sauberem Wasser, medizinische Versorgung, die für die meisten Menschen unbezahlbar ist, eigenen Häusern zum Wohnen, Geld für die Familie oder den Schulbesuch der Kinder. Der Strom fällt häufig aus, so dass die Orte im Dunkeln versinken. Dies ist für Gehörlose besonders tragisch, weil sie dann nicht nur nichts hören, sondern auch nichts mehr sehnen und somit keine Kommunikation mehr möglich ist. Uganda liegt am Äquator. Dort ist es 12 Stunden hell und nach Sonnenuntergang etwa um 19.00 Uhr stockdunkel. Nur die Sterne leuchten am Himmel. Straßenbeleuchtung gibt es nicht. Nur in Großstädten.

Als wir am Abend ankamen, wurden wir schon sehnlichst erwartet. Auch die Leiterin der Gehörlosenschule, Schwester Immaculate und die gehörlosen Kinder begrüßten uns freudig. Wir waren in einem Haus untergebracht, das dem Konvent gehört und für Gäste, wie Priester und Entwicklungshelfer gebaut wurde. Diese Unterkunft war relativ gut. Wir hatten eine Toilette mit Spülung und eine Dusche, wenn auch der Wasserdruck sehr schwach war. Manchmal kam bei Duschen kein Wasser mehr, von der Toilette ganz zu schweigen. Am nächsten Tag besuchten wir die Gehörlosenschule St Mark VII Unit for the Deaf Bwanda. Die Kinder stürmten auf uns zu, umarmten uns. Man spürte, dass diese Kinder wenige Streicheleinheiten bekommen. Es gibt nur wenig Lehrer, die gleichzeitig auch Erzieher sind. Die meisten Kinder wohnen in der Schule und fahren nur in den Ferien nach Hause wenn es sich die Eltern leisten können und nicht zu weit entfernt wohnen. Da jede Familie viele Kinder hat und mit der Armut kämpft, sind einzelne Kinder meist nicht wichtig. Besonders auch dann, wenn das Kind behindert ist. Staatliche Unterstützung wie in Deutschland gibt es nicht. Viele sind auch Waisenkinder, die immer in der Schule wohnen. Betreut wird die Schule von katholischen Nonnen. Der Unterricht beginnt morgens um 7.00 Uhr ohne Frühstück. Erst um 10.00 Uhr in der Pause bekommen die Kinder einen Becher Maisbrei, zu wenig um satt zu werden. Mittags und abends gibt es Matoke, Bohnen oder Süßkartoffel. Matoke ist das Hauptgericht von Uganda. Es wird aus Kochbananen hergestellt und schmeckt ähnlich wie Kartoffelbrei. Überhaupt ist die Ernährung sehr einseitig. Abwechslungsreiches Essen gibt es nur selten. Dank der vermittelten Patenschaften gibt es überhaupt mal Fleisch oder Fisch. Uganda ist ein fruchtbares Land. Es gibt viel Obst und Gemüse. Doch die wenigsten Menschen können sich etwas Kaufen. Wir haben ein paar Süßigkeiten verteilt. Die Kinder sind für ein Bonbon so dankbar, knien sich vor einem hin und bedanken sich in Gebärdensprache. Das Wort "danke" wird so gebärdet: Die Hände wie zu Gebet falten und hin und her schwenken.

Wir konnten das Osterfest in Uganda feiern. Die Menschen sind sehr gläubig und Gottesdienste dauern oft mehrere Stunden. Wir waren von der Vielfalt der Farben und den Trommelklängen sehr beeindruckt. Die jungen Nonnen in weißer Tracht, die älteren in blauer Tracht, die Kinder in ihren Schuluniformen. Die jungen Nonnen trommelten, dass der Boden vibrierte und führten afrikanische Tänze auf. Wenn die Kinder kein Geld für den Opferkorb haben, geben sie auch persönliche Gegenstände, wie Schulhefte oder einen Bleistift.

Der Umgang mit dem Geld machte uns am Anfang Probleme. 2.500.- Uganda Schillinge sind umgerechnet 1.- Euro. Es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass 25.000 Schillinge nur 10 Euro sind.

Höhepunkt unseres Aufenthaltes war die Einweihung von 5 weiteren Klassenräumen die Dank der Spenden aus Deutschland gebaut werden konnten. Dafür reisten der deutsche Botschafter mit der Erziehungsministerin für Bildung und Sport eigens an. Nach dem Gottesdienst wurde ein buntes Programm geboten. Auch die Kinder bekamen an diesem Tag eine Banane und ein Fanta zum Frühstück.

An 2 Tagen unseres Aufenthaltes waren wir im Nationalpark Queen Elisabeth. Auch dorthin waren wir stundenlang mit dem Auto unterwegs und wurden durch die vielen Schlaglöcher richtig durchgeschüttelt. Wir hatten Glück und konnten viele Tiere bewundern, wie Affen, Elefanten, Antilopen, Wasserbüffel. Flusspferde, Krokodille, Löwen und viele viele Vögel.

Auf der Rückfahrt besuchten wir eine weitere Gehörlosenschule in Ntungamo. Hier ist das Elend noch größer. Es gibt keinen Strom und keinen Wasseranschluss. Gekocht wird in einer Blechhütte. Dank der Spendengelder konnte ein Schlafsaal für Mädchen gebaut werden und ein Speisesaal. Da es an Matratzen und Betten fehlt, schlafen 3 Kinder auf einer Matratze. Auch diese Schule wird von einer kath. Nonne und einigen Lehrern geleitet. Hier ist noch viel Hilfe nötig. Aber die Kinder waren glücklich über die mitgebrachten Süßigkeiten, einem Memory Spiel, Uno Karten, Plüschtiere, 2 Fußbälle und bedankten sich mit Umarmungen und der Gebärde für "Danke".

Die Armut dort kann einem das Herz brechen. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns geht. Arme Menschen in Deutschland werden vom Staat unterstützt. Keiner muss hungern und jeder hat ein Dach über dem Kopf. Für Kinder in Afrika ist ein Bonbon schon Luxus.

Nach 2 Wochen Aufenthalt, landeten wir wieder auf deutschen Boden. Endlich wieder eine warme Dusche, eine saubere Wohnung, gutes deutsches Essen mit seiner Vielfalt. Diese Reise hat viele Eindrücke hinterlassen und wir werden wieder mal nach Uganda reisen, alleine schon wegen der Kinder, die wir ins Herz geschlossen haben. Dass das Leben dort einmal so wie hier in Deutschland sein wird, glauben wir nicht. Aber wir können den Kindern dort durch Hilfe und Spenden ein einigermaßen erträgliches Leben ermöglichen.

Das Projektteam sagt der Pfarrei St. Sebastian und den großzügigen Spendern der Sternsingeraktion, die dazu beitragen, dass die gehörlosen Kinder in Uganda eine Perspektive erhalten, ein herzliches

Vergelt's Gott.

Doris Ehrenreich mit einem Kind
Doris Ehrenreich

Gerlinde Koch mit einem Kind
Gerlinde Koch