Ugandareise 2009 - Rückblick von Anna Brönner

Die vierwöchige Teilnahme an der diesjährigen Projektgruppe war bereits mein zweiter Aufenthalt in diesem wunderschönen Land Uganda. Bei meiner ersten Reise nach Uganda im Frühjahr 2008 hatte ich die Möglichkeit, einen Tag an der St. Mark Schule in Bwanda / Masaka zu verbringen. Dies war für mich der schönste Moment der gesamten Reise. Ich bin daher sehr froh, dass ich die Schule in diesem Jahr intensiver kennen lernen und das Projekt mit meiner Tätigkeit als Übersetzerin unterstützen konnte.

Besonders beeindruckt hat mich, mit welch großer Herzlichkeit sich die Menschen in Uganda untereinander begegnen. Trotz wesentlich niedrigerem Lebensstandard und vielen schwerwiegenden Problemen, z.B. hohe Rate an Aidserkrankungen, strahlen die Ugander eine unglaubliche Lebensfreude aus, die man in Europa oft vermisst. Das Wenige was die Menschen haben teilen sie mit großer Freude.
Unangenehm habe ich empfunden, dass man als weißer Besucher in Uganda immer einen Sonderstatus innehat. Man wird stets als Ehrengast empfangen. Die Menschen gehen davon aus, dass alle "Mzungus" (weiße Menschen) reich und einflussreich sind und behandeln uns "Mzungus" entsprechend.

Überrascht hat mich der hohe Stellenwert, den die Gebärdensprache in dem Entwicklungsland Uganda einnimmt. Die Gebärdensprache ist in Uganda seit Jahren anerkannt. Das Niveau der Ausbildung von Dolmetschern ist meiner Ansicht nach sehr gut. Die Dolmetscher werden an der Universität über zwei Jahre von qualifizierten Dozenten unterrichtet. Die Lehrer an den Gehörlosenschulen beherrschen alle die ugandische Gebärdensprache und wenden diese ganz selbstverständlich als Unterrichtssprache an.

Trotz dieses fortschrittlichen Umgangs mit Gehörlosigkeit und Gebärdensprache wird eine Behinderung in Uganda vor allem von der ländlichen Bevölkerung als "Schande" empfunden. Behinderte Kinder werden von ihren Familien eher versteckt. In der Regel werden zuerst die nicht behinderten Kinder versorgt, wenn dann noch genügend Mittel da sind, die Kinder mit Behinderung. So kommt es, dass gehörlose Kinder teilweise sehr spät eingeschult werden. Sie beginnen zum Teil erst im Alter von 12 Jahren mit dem Lesen und Schreiben und lernen erst an der Schule die Gebärdensprache kennen, die ihnen eine gute Kommunikationsmöglichkeit bietet.

Bei der Qualität der Gehörlosenschulen erlebte ich deutliche Unterschiede. Ein gutes Beispiel sind die vom Projekt geförderten Schulen St. Mark und Ntungamo. Die St. Mark Schule stellt sicherlich eine "Vorzeigeschule" dar. Sie verfügt über gut ausgebildetes Lehrpersonal und eine gute Ausstattung und ermöglicht den Kindern eine abwechslungsreiche Ernährung und saubere Schlafstätten. Der Unterricht ist qualitativ hochwertig, so dass den Kindern auch die Perspektive eröffnet wird, auf höhere Schulen zu gehen oder sogar zu studieren.
In Ntungamo gibt es dagegen noch viele ungelöste Probleme, z.B. der Lehrermangel. Die finanziellen Mittel der Schule in Ntungamo sind äußerst knapp. Die Unterrichtsqualität ist wesentlich schlechter als an der St. Mark Schule.
Angesichts der bestehenden Schwierigkeiten beeindruckt die Arbeit der Schulleiterin Sr. Bakuze umso mehr, die mit viel Herz und Engagement in einer sehr abgelegenen Gegend mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln gehörlosen Kindern ein Zuhause bietet.

Die Tatsache, dass auch die St. Mark Schule "klein angefangen" hat stimmt mich hoffnungsfroh, dass sich die Situation in Ntungamo zunehmend verbessern wird.
Die St. Mark Schule in Bwanda/Masaka wird bereits seit 12 Jahren durch Gerhard Ehrenreich und sein Projekt unterstützt, die Gehörlosenschule in Ntungamo erst seit 2 Jahren. In den vergangenen 12 Jahren hat sich die St. Mark Schule von einer winzigen Abteilung der hörenden Schule zu einer vorbildlichen Bildungseinrichtung für hörgeschädigte Kinder und Jugendliche entwickelt, die vielen Kindern eine positive Zukunft ermöglicht.
Dies wäre sicherlich ohne die Spendengelder und Patenschaften aus Deutschland nicht möglich gewesen.
Die Kinder und Lehrer sprachen uns Teilnehmern der Projektgruppe immer wieder ihren Dank für die Hilfe aus. Diesen Dank gilt aber vor allem Ihnen, den vielen Helfern, Paten und Geldgebern, die dazu beitragen, dass gehörlose Kinder in Uganda eine gute Ausbildung und Perspektive erhalten. Vielen herzlichen Dank für Ihr Engagement!

Anna Brönner mit einem Kind
Anna Brönner