Bericht von der Reise im März / April 2008

Sonntag, 02. März 2008: Ankunft in Entebbe

Nach einigen Flugschwierigkeiten und unerwarteten Verzögerungen kommt Herr Ehrenreich mit zwei Tagen Verspätung gegen 23 h am Flughafen in Entebbe an. Nachdem er zwei Triebwerkschäden und einen Tag Aufenthalt in Brüssel überstanden hat, ist er sehr froh, dass Sr. Immaculata, ihr Fahrer Mike und die deutsche Studentin Debora Sauer ihn pünktlich am Flughafen abholen. Leider musste Katina die Reise kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen, so dass Gerhard alleine aus Deutschland geflogen ist.
Über staubige Straßen fahren wir vom Flughafen in die nahe gelegene Unterkunft und erholen uns alle von den Strapazen der vergangenen Tage.
 

Montag, 03. März 2008: Besuch der Wakiso Secondary School

Wir starten zeitig, denn wir haben einige Besorgungen im geschäftigen Kampala zu erledigen und ein Besuch der weiterführenden Wakiso Secondary School in der Nähe von Kampala steht auf unserem Programm. Die Straßen sind gesäumt von grünen Bananenpflanzen und kleinen Geschäften. Und der Jeep mit den neuen Reifen hält allen Schlaglöchern gut stand. Immer wieder erwartet uns in Uganda ein strenger Geruch nach verbranntem Müll und uns wird das Umweltproblem bewusst, dem die Menschen hier und auf der ganzen Welt ausgesetzt sind. Doch wir haben gerade ein anderes Ziel und so freuen wir uns, die vielen glücklichen Kinder an der Wakiso Schule zu begrüßen. Gerhard möchte nach einigen Patenkindern schauen und erkundigt sich interessiert, wie es den Kindern ergeht und ob sie mit der Schule zufrieden sind. Wir werden von einem sauberen, neuen Schulgebäude und freundlichen Lehrern und Schülern lachend empfangen. Stolz zeigen uns zwei Mädchen ihre Schlafräume und ihre, mit Moskitonetzen ausgestatteten, Betten. Es macht Herrn Ehrenreich glücklich und zeigt, dass die Arbeit am Projekt sich lohnt und Erfolge zeigt. Es hat sich durch die Projektarbeit in den letzten Jahren viel für die gehörlosen Kinder in Masaka verändert.
Auf seinem diesjährigen Besuch wird Gerhard von einer Studentin aus München begleitet: Debora Sauer ist 25 Jahre alt und studiert Lehramt für Schwerhörige im 6. Semester am Lehrstuhl von Frau Prof. Dr. Leonhardt. Sie unterstützt Gerhard und sein Projekt, indem sie für ihn ins Englische übersetzt und ihm bei der Berichterstattung hilft. Zudem möchte sie ihre Zulassungsabeit über das Bildungssystem in Uganda am Beispiel der St. Mark VII School for the Deaf schreiben. Debora war bereits vor zwei Jahren für drei Monate in Uganda an einer Schule tätig. Allerdings handelte es sich dabei um ein Straßenkinderprojekt in Nsumba. Sie hat noch immer Kontakt in das Rainbowhouse in Kampala, das vergleichbar mit einem Jugendheim ist. Sie war sehr froh, dass sie an ihrem Ankunftstag in Uganda am 01. März die Kinder und die Projektmitarbeiter dort besuchen konnte.

Ehemalige Schüler
Schüler und Schülerinnen der ehemaligen Gehörlosenschule St. Mark VIII Bwanda gehen jetzt an eine Secondary Schule in der Nähe von Kampala

Dienstag, 04. März 2008: Besuch der St. Mark VII School for the Deaf in Masaka

Nachdem wir gestern bei Dunkelheit in unserer Unterkunft in Masaka angekommen sind, haben wir den Besuch der Schule auf heute verschoben:
Wir werden herzlich von zahlreichen gehörlosen Kindern empfangen, die lachend auf Gerhard und Debora zugestürmt kommen. Nach unzähligen Umarmungen und erfreuten Blicken begleitet uns die Kinderschar in den neuen Speisesaal und empfängt uns mit Tänzen und winkenden Händen. Gerhard überprüft die Gebäude und fragt Sr. Immaculate nach Mängeln und Wünschen. Es zeigt sich, dass kleinere bauliche Maßnahmen getroffen werden müssen und auch das Platzproblem an der Schule wird allen noch einmal bewusst: Die mittlerweile über 200 Schüler müssen bereits in den Speisesaal und die Nähwerkstatt ausweichen, denn die Schulräume werden zu klein. So zeigt Gerhard sogleich den Ort, an dem die neuen Klassenzimmer entstehen sollen und Sr. Immaculate vereinbart ein Treffen mit Herrn Kasumba, dem Projektmitarbeiter.
Da der Weg zwischen Unterrichtsraum und Essenssaal sehr weit ist, werden die ersten beiden Klassen am Nachmittag häufig im Speisesaal unterrichtet. Hierdurch wird den Kleinen das Hin- und Herlaufen erspart und sie können nach dem Unterricht gleich in ihre Unterkünfte gehen. Auch dies ist ein Grund für den Bau des Kindergartens als Angliederung an Schul-, Essens- und Schlafgebäude.

Mittwoch, 05. März 2008: Die Kinder freuen sich über Ananas zum Mittagessen

Unser Fahrer Mike hat auf Wunsch von Gerhard 20 Ananas für die Kinder an der St. Mark VII for Deaf Bwanda gekauft. Nach einigen Filmaufnahmen im neuen Speisesaal kommen die Kinder der Klassen Primary 3 - 6 pünktlich um 13 h zum Mittagessen. Die Kinder beten gemeinsam vor dem Speisesaal, ziehen dann schnell ihre Schuhe aus und freuen sich über die Ananas, die ihnen die Köchinnen austeilen. Jedes Kind hat seinen Platz, gedeckt mit einem bunten Teller gefüllt mit Poshu (Gericht aus Maismehl und Wasser) und Bohnen. Im Anschluss kommen die Kinder aus dem nahe gelegenen Kindergarten und der Primary 1 und 2 in den Speisesaal und freuen sich über die süßen Früchte. Es ist schön zu sehen, dass alle Kinder nun Platz finden, gemeinsam ihr Essen in dem neuen Speisesaal einzunehmen. Gerhard begutachtet die Küche und stellt eine saubere Arbeitsweise und einen positiven Einsatz der neuen Kochstellen fest. Der Rauch zieht nicht mehr, wie früher, in den Küchenraum, sondern kann über den Rauchfang direkt ins Freie geblasen werden.

Ananas wird zubereitet
Die Ananas bei der Zubereitung

Ananas wird gegessen
Beim Stillen der Leckermäuler

Donnerstag, 06. März 2008: Besprechung mit Projektmitarbeiter Herrn Kasumba

Wir nutzen den Vormittag, um die ersten beiden Klassen zu besuchen. Die Kinder sind sichtlich erfreut und sehr lebhaft, als sie den Muzungu-Besuch, so nennen sie die Weißen, entdecken: Lachend und mit winkenden Gebärden kommen sie uns entgegen und umarmen uns. Sie sind sehr stolz, uns ihre neu gelernten Gebärden beizubringen und ihre Hefte zu zeigen - wir wissen gar nicht, welchem Kind wir uns zuerst widmen sollen. Es ist sehr schön zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln und wie wohl sie sich in ihrer Umgebung fühlen. Die gehörlose Gebärdenlehrerin zeigt viel Kreativität im Unterricht und lässt die Kinder alle Gebärden nachspielen. Es ist eine schöne Unterrichtsatmosphäre.
Am Nachmittag trifft Herr Kasumba ein, um mit Gerhard und Debora als Dolmetscherin die Baupläne für die neuen Klassenräume und den Kindergarten zu besprechen.

Freitag, 07. März 2008: Besprechung an der Gehörlosenschule Ndegeya Bugabira/Masaka

Nachdem wir heute Morgen den Termin mit der Deutschen Botschaft am 19. März telefonisch bestätigt haben, sind wir an die Gehörlosenschule Ndegeya Bugabira/Masaka gefahren.
Dort hatten wir ein sehr kooperatives Gespräch mit dem Baubeauftragten Kasumba, dem Schuldirektor William Obella, seinem Stellvertreter und der regionalen Politikerin Doreen Ankundu, die Behindertenbeauftragte ist. Thema des Treffens war die Planung der Berufsschule. Der Direktor bestätigte 2 ha Land, die für die Schule genutzt werden können und Gerhard ließ sich weitere Fakten wie Schüleranzahl, Räumlichkeiten und Lehrpersonal nennen. Das Ergebnis der Diskussion ist die Planung einer Berufsschule, an der gehörlosen Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden soll, sich als Schneider, Schreiner, Maurer, Frisörin, Hauswirtschafterin, Metallbauer, sowie Maler und Drucker ausbilden zu lassen. Die Größenordnung soll sich auf 100 bis 120 Kinder belaufen. Grund für eine weitere Berufsschule in Uganda ist das viel zu große Einzugsgebiet der Berufsschule in Kampala. Diese wird somit entlastet und den Kindern aus Masaka, Rakai, Sembabule, Lyantonde, Mbarara, Kassese und Gulu steht eine weitere Berufsschule zur Verfügung. Geplant sind Unterrichtsräume, Werkräume, Schlafsäle, Lehrerunterkünfte, ein Speisesaal, eine Küche, ein Ausstellungsraum, ein Computerraum, Waschmöglichkeiten sowie Toiletten. Am Ende des Meetings zeigten sich alle zufrieden mit den Ergebnissen und Herr Burkard Lohmann wird die weitere Planung in Deutschland übernehmen.
Den Nachmittag verbrachten wir an der St. Mark VII Schule, indem wir die Pläne für den Kindergarten dort besprachen. Herr Kasumba, Schwester Immaculate und Gerhard einigten sich auf die Einebnung des Hügels, so dass die Kinder eine geeignete Spielfläche vorfinden und die Baumaßnahmen problemloser ablaufen können. Auch diese Pläne werden in Deutschland von Herrn Burkard Lohmann weiterbearbeitet.

Samstag, 08.03.2008: Verteilen der Briefe an die Patenkinder

Am Morgen finden letzte Gespräche zwischen Gerhard und Herrn Kasumba über den Bau des Kindergartens statt. Es wird ein grober Plan skizziert, der nun an Herrn Lohmann weitergeleitet wird. Die beiden einigen sich darauf, dass das hügelige Gelände eingeebnet werden soll und den Kindern so die Möglichkeit gegeben wird, eine geeignete Spielfläche zu nutzen. Des Weiteren sollen Lehrer- und Kinderunterkünfte, zwei Gruppenräume, ein Waschraum mit WC, ein Büro und eine Bibliothek in dem Gebäude untergebracht sein. Das Gebäude wird für eine Anzahl von 30 Kindern errichtet.
Am Nachmittag verteilt Gerhard die Briefe an die Patenkinder und die Kinder sind sichtlich über die Nachrichten aus Deutschland erfreut.

Das Patenkind Peter Wahooli
Peter W.

Das Patenkind Juliet Nagobi
Juliet N.

Sonntag, 09.03.2008: Tag der offenen Tür an der St. Mark VII School for the Deaf

Unser Sonntag fängt mit einem Gottesdienst im Speisesaal der Schule an. Er wird von einem außenstehenden Priester auf Luganda (Sprache in dem Gebiet, in dem die Schule ist) gehalten. Anlass des Gebets ist der Jahrestag der verstorbenen Lehrerin Rose und der Unfall von Gerhards Frau. Der Priester betet für baldige Genesung und dankt Gerhard und dem Verein für die Arbeit, die sie für die Schule leisten.
An der Schule sind heute einige Eltern eingetroffen, um ihre Kinder zu besuchen. Zunächst wird den Eltern ein Gebärdensprachkurs angeboten, dass sie sich mit ihren Kindern besser verständigen können. Anschließend bleibt ihnen Zeit, um sich mit ihren Kindern auszutauschen und gemeinsam mit ihnen zu essen. Die Schwester und der Konrektor stehen zu Gesprächen bereit und auch mit den Lehrern kann Kontakt aufgenommen werden. Von den 200 Kindern, die mittlerweile an der Schule untergebracht sind, kommen etwa 40 Eltern. Gerhard verteilt die letzten Briefe an die Patenkinder, die keinen Besuch haben und sie freuen sich, dass auch ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Montag, 10.03.2008: Besuch der Schule, Austausch mit Schwester und Kindern

Beim Besuch der Schule stellt Gerhard fest, dass sich das Essen für die Kinder verbessert hat: Die Ernährung ist ausgewogener und abwechslungsreicher als noch vor einem Jahr. Die Kinder essen Matooke (Kochbananen), Poshu (Maisbrei), Bohnen, Porridge (Haferbrei), Pfannkuchen und ab und zu Bananen.
Die Kommunikation mit den Schülern ist auch einfacher geworden, denn sie haben viel dazu gelernt und man bemerkt, dass sie eine gute Bildung erfahren. Auch tragen die Kinder drei verschiedene Uniformen: Eine weinrote für die Freizeit, grün-kariert für die Schule und blau-gelb für Feiertage und besondere Anlässe.
Die Schwester bestätigt, dass sich durch die Patenschaften einiges für die Kinder geändert hat: Die Kinder sitzen zivilisiert an Tischen im Speisesaal, die Mädchenschlafräume sind ordentlicher geworden. Seife, Zahnpasta und kleine Snacks für zwischendurch können gekauft werden. Auch besitzen die Kinder nun Kleidung für die Ferien, Unterwäsche und Schuhe. Manchen Kindern können die Fahrkosten zu Verwandten in den Ferien gezahlt werden und auch die Medizinische Versorgung und die Gesundheit haben sich verbessert. Kinder, die keine Paten haben, werden von anderen Sponsoren oder den Eltern unterstützt.

Dienstag, 11.03.2008 und Mittwoch, 12.03.2008: Besuch der Gehörlosenschule in Ntungamo

Dienstagmorgen fahren wir zeitig los, um gegen Mittag die Gehörlosenschule in Ntungamo, ca. 230 km von Masaka entfernt im Süden Ugandas zu erreichen. Mike, der zuverlässige Fahrer der Schule in Masaka, bringt uns sicher ans Ziel und Herr Kasumba, Gerhard und Debora werden sehr herzlich von den Kindern, Schwester Bakuze, dem Chairman (Vorsitzenden) von Schule und Gemeinde und Justice, einer Lehrerin vor Ort empfangen. Zum Mittagessen stoßen der Direktor und ein weiterer Lehrer zu uns. Derzeit ist die Sonderschule noch einer Regelschule angegliedert, Sr. Bakuze plant jedoch in Zukunft, Direktorin von einer eigenständigen Gehörlosenschule zu werden. 46, von etwa 60 Schülern sind gehörlos, die andern haben körperliche Probleme oder sind geistig behindert. Die Schwester erzählt, wie sie jeden Tag neue Schüler bekommt und die umliegenden Gemeinden in immer größerem Radius von ihrer Arbeit erfahren. Wie auch zu Beginn an der Schule in Masaka streiten die Kinder noch viel und man bemerkt, dass sie dringend Bildung benötigen. Die Voraussetzungen hierfür sind derzeit noch nicht optimal, da die Schüler in zwei Klassenräumen von lediglich zwei Lehrkräften und der Schwester unterrichtet werden. P1-P4 werden gemeinsam unterrichtet und P4-P5 ebenfalls. Derzeit schlafen viele der Kinder auf einer dünnen Matratze auf dem Boden, waschen sich im Freien und haben wenige Toiletten.

Schlafsaal Mädchen und Jungen
(Ntungamo) Links der Schlafsaal Jungen und Mädchen

Rohbau Schlafsaal Mädchen
(Ntungamo) Im Rohbau: Schlafsaal für Mädchen

Waschkabine Mädchen von außen
(Ntungamo) Waschkabine für Mädchen von außen...

Waschkabine Mädchen von innen
(Ntungamo) ...und von innen

Gerade für die Kinder im Rollstuhl sind die sanitären Einrichtungen sehr dürftig. Mit den Spendengeldern, die Gerhard in Deutschland bekommen hat, wird nun ein Schlafraum für die Mädchen gebaut, so dass diese separat von den Jungen unterkommen können. Die Gemeinde ist sehr aktiv und hat bereits eigenständig Gelder aufgetrieben, indem die sehr ärmliche Bevölkerung Geld gespendet hat. Allerdings kommen sie nur langsam mit den Baumaßnahmen voran, da das Gebäude immer wieder aus Geldgründen ruhen muss. Nun konnten die Mauern des Schlafsaals fertig gestellt werden und das Fundament wird mit den neuen Spendengeldern folgen. Die Schwester plant, mit den Geldern aus Deutschland den Schlafsaal fertig stellen zu können. Auch Klassenräume werden derzeit gebaut und der im Januar fertig gestellte Speisesaal wurde von einer Spanischen Hilfsorganisation finanziert. Gerhard plant die Schule künftig verstärkt zu unterstützen, da die Kinder dringend Hilfe benötigen. Er möchte auch bei "Ärzte ohne Grenzen" anfragen, ob sie einem Jungen ohne Arme durch Prothesen ein besseres Leben ermöglichen können. Die Kinder sind sehr fröhlich und so dankbar für die Schulsachen (Bleistifte, Lineale, Spitzer usw.) vom Kath. Kindergarten "St. Sebastian" Würzburg aus Deutschland und alle kleinen Spiele, die Gerhard ihnen mitgebracht hat.

Schulsachen aus Würzburg
(Ntungamo) Schulsachen aus Würzburg

Debora mit Kindern
(Ntungamo) Debora beschäftigt sich mit den Kindern

Sie probieren sogleich alles aus und besonders Beach-Ball wird begeistert auf dem Lehmboden vor den Klassenräumen geübt. Etwa 20 der Kinder sind Vollwaisen und nur wenige haben Paten, die sie unterstützen. Schwester Bakuze möchte den Lebenslauf und Fotografien der Kinder nach Masaka bringen, dass auch ihnen künftig besser geholfen werden kann. Die Baumaßnahmen und Pläne vor Ort werden von einem lokalen Architekten und vielen aktiven Menschen in der Gemeinde betreut. Es ist schön zu sehen, dass Entwicklungshilfe auch mit vielen gemeinsamen Kräften eigenständig statt finden kann. Auch die beiden Lehrer vor Ort sind sehr herzlich und idealistisch. Der Lehrer und der Direktor des gesamten Komplexes wohnen derzeit in einem Raum und die Lehrerin hat eine kleine Unterkunft neben dem Küchenraum. Der Lehrer arbeitet 40 Stunden in der Woche und verdient etwa 80 Euro im Monat, von denen er eine sechsköpfige Familie ernähren muss.

Enge Klassenräume
(Ntungamo) Enge: Klassenräume der 4. und 5. Klasse

Rohbau Klassenräume
(Ntungamo) Rohbau der 2 Klassenräume

Die Schulgebühren für ein Kind an der Sonderschule betragen im Semester (1 Term.) 40 Euro. Diese beinhalten Speisen und Unterkunft. Schwester Bakuze zeigt uns das bergige und sehr fruchtbare Land in der Umgebung, das zu einem großen Teil ihrem Orden gehört. Wir sehen auch die Quelle, zu der die Kinder etwa einen Kilometer laufen müssen und wir stellen fest, dass das Wasser sehr sauber ist. Gerhard hat die Idee, dass man den Wasseranschluss künftig zu der Schule leiten könnte, um den Kindern das Schleppen der schweren Wasserkanister zu ersparen. Eine Möglichkeit wäre es auch, das Wasser von der Bergspitze abwärts auf das Schulgelände zu leiten. Die Schwester versichert, dass sie überprüfen werden, was die günstigste Möglichkeit für die Schule ist. Der Chairman nannte einen Brunnen als dritte Option.
Auch Solar würde, in einer Gegend ohne jeglichen Stromanschluss, das Leben und Lernen wesentlich erleichtern. Es ist geplant, Angebote von Solarfirmen in Deutschland einzuholen.
Die Schwester, der Chairman und Justice sind nicht nur den Kindern gegenüber sehr herzlich, auch wir werden mit Essen verwöhnt und freundlich in der Unterkunft des Charimans in Empfang genommen. Nach vielen organisatorischen Gesprächen und einigen Spielen mit den Kindern fallen wir am Abend müde ins Bett, um am nächsten Morgen die Diskussionen fortzusetzen. Herr Kasumba wird die Belege aller Baumaßnahmen sammeln und gebündelt mit einer Abrechnung und einem Rechenschaftsbericht an Gerhard senden.

Gruppenfoto Ntungamo
(Ntungamo) Gruppenfoto mit Sr. Bakuze und Debora

Kinder in Ntungamo
(Ntungamo) Kinder in Ntungamo

Nach einer fünfstündigen Fahrt im warmen Auto sind wir nun wieder in Masaka angekommen und ordnen noch mal gedanklich, was alles besprochen wurde und künftig geplant ist.
Sr. Immaculate hat derzeit in Masaka schon den Flyer entwickelt, um einige lokale Politiker zu dem Besuch des Botschafters am nächsten Mittwoch 19.03. einzuladen. Auch bei Behörden war sie, um noch einige Bestätigungen zu holen, die von deutschen Unterstützern gefordert werden. Die Zusammenarbeit klappt gut und die Schwester versucht, alle Unterlagen zusammenzutragen und ihre Schüler und Lehrer erfolgreich zu betreuen.

Donnerstag, 13.03.2008: Besuch des Kindergartens

Wir lassen den heutigen Tag etwas ruhiger angehen und besuchen am Morgen den Kindergarten. 18 Kinder lernen eifrig die Buchstaben, die Zahlen bis 10 und die dazugehörigen Gebärden. Sie werden von einer Schwester und einer Helferin betreut und unterrichtet. Die Kinder sind sehr lebhaft und unruhig. Sitzen und Zuhören sind für sie neu und der Kleinste, ein Junge mit 4 Jahren, setzt sich gerne zwischendurch in den Sandkasten an der Seite des Raumes. Die Kinder zeigen uns stolz die Gebärden, die sie schon gelernt haben und sind sehr beeindruckt von Foto und Videokamera. Im letzten Jahr waren es noch 28 Kinder in der Vorschulklasse, da die Schule jedoch nicht die Kapazitäten für mehr als 200 Kinder hat, wurde die Zahl in diesem Jahr reduziert. Der Raum ist klein und dunkel und es sind den Kindern wenige Spielmöglichkeiten geboten. Sie freuen sich sehr, wenn sie ihr neues Zuhause bekommen, das der Schule angegliedert sein wird.
Am Nachmittag kontrollieren wir die fehlenden Moskitonetze und kaputte Matratzen, denn wir möchten morgen nach Masaka fahren, um diese zu erneuern. Das Problem ist, dass viele Kinder ihre Moskitonetze verstecken und ihre Matratzen kaputt machen, wenn sie erfahren, dass die Deutschen kommen, denn sie hoffen dann, neue Dinge zu bekommen. So überprüften wir gemeinsam mit einigen Lehrern alle Kisten der Kinder und lassen sie die versteckten Netze wieder aufhängen. Schon gewieft, so kleine Herrschaften, und nicht sehr leicht für Lehrkräfte und Betreuer. Auch die Lehrer sollen mit Netzen ausgestattet werden, denn auch sie schlafen in sehr einfachen Unterkünften und fallen sonst teilweise wegen Malaria aus.

enger Kindergarten
Kindergarten-Kinder in engem und dunklem Raum

Freitag, 14.03.2008: Besuch in Masaka mit zwei Patenkindern

Zwei Patenkinder haben heute das Glück, mit Gerhard einkaufen gehen zu dürfen. Die Pateneltern von beiden haben Geld mitgeschickt und dieses wird in Schuhe und eine Tasche für die Schule investiert. Die Kinder sind sehr dankbar und freuen sich über die neuen Dinge. Unsere weitere Mission in Masaka ist der Kauf von 84 Moskitonetzen und 9 Matratzen, was in Uganda wesentlich länger dauert, als in Deutschland, denn hier gibt es keine große Firma, in der man einkaufen könnte, sondern es ist Verhandeln angesagt. Es ist sehr anstrengend, einkaufen zu gehen und bei lauter Secondhand-Schuhen ist es auch nicht so einfach, qualitativ hochwertige, stabile und zugleich passende Schuhe zu finden. Aber nach etwa drei Stunden haben wir alles besorgt. Zudem schauen wir noch zwei Hotels an, denn Gerhard möchte sicher gehen, dass die Reisegruppe, die im nächsten Jahr nach Uganda kommen möchte, gut aufgehoben ist und sich wohl fühlt. Bei unserer Ankunft an der Schule betrachten die andren Kinder neugierig unser beladenes Auto und schauen die beiden Rückkehrer etwas eifersüchtig an. Aber sie werden sich sicherlich morgen über die Moskitonetze freuen.

Samstag, 15.03.2008: Moskitonetze, Matratzen und Schulsachen

Alle Kinder versammeln sich im Speisesaal und Gerhard übergibt ihnen Moskitonetze und Matratzen. Anschließend zeigt er die vom Kindergarten "St. Sebastian" Heuchelhof gespendeten Schulsachen und übergibt diese Schwester Immaculate. Wir helfen den Kindern, die Netze an ihren Betten anzubringen, müssen jedoch morgen noch einmal alles überprüfen, da es einige besonders schlaue Kinder gibt, die nun zwei Moskitonetze besitzen und eines wieder abgeben müssen. Die gewieften Kleinen verstecken ihre alten, aber noch guten Netze, um neue zu bekommen. Auch soll es schon vorgekommen sein, dass vereinzelt Matratzen beschädigt wurden, um neue zu erlangen. Gerhard übergibt auch das Plakat von Kofo Augsburg von der Benefizveranstaltung, das einen schönen Platz im neuen Speisesaal finden wird.
An dieser Stelle möchten wir uns bei unserer Mitarbeiterin Anne Baumann bedanken, die eine Spende von 625 € für die Finanzierung der Moskitonetze einbringen konnte.

Plakat KoFo Augsburg
Plakat und Foto von Kofo Augsburg

Verteilen der Moskitonetze
Verteilen der Moskitonetze an Kindern

glückliche Gesichter
Glückliche Gesichter über Moskitonetze

Schlafsaal mit Moskitonetze
Der Schlafsaal mit Moskitonetzen

Sonntag, 16.03.2008: Palmsonntag

Es ist Palmsonntag und dieser wird in Uganda mit Palmenblättern und einem ausgiebigen Gottesdienst gefeiert. Am Nachmittag besuchen wir die Kinder an der Schule, überprüfen nochmals die Moskitonetze und unterhalten uns mit einigen der Kleinen. Heute dürfen die Kinder einen Film im Fernsehen schauen - leider ohne Untertitel. Etwa 200 Kinder versuchen, auf dem kleinen Fernseher etwas zu sehen.

Montag, 17.03.2008: Fahrt nach Kampala

Wir sind morgens in Masaka losgefahren, um einige Dinge in Kampala zu erledigen. Nach einer zweistündigen Fahrt kommen wir im heißen und staubigen Kampala an und werden von vielen Abgasen erwartet. Unser erster Halt ist die Uni Kyambogo, um einige Bücher über die Ugandische Gebärdensprache (USL) zu kaufen. Diese hat American Sign Language (ASL) zur Grundlage und wurde um einige Begriffe erweitert. Sie wird im Zusammenhang mit dem Englischen Mundbild gebärdet. Anschließend besuchen wir das Rainbowhouse, in dem Gerhards Begleiterin Debora einige Zeit vor zwei Jahren verbracht hat. Sie stellt ihm das Projekt kurz vor und er ist begeistert von dem Engagement der Mitarbeiter und der Betreuung der Kinder dort. Anschließend besuchen wir noch die Namirembe Berufsschule in einem Stadtteil von Kampala. Gerhard erkundigt sich bei den Patenkindern, ob sie mit ihrem Beruf zufrieden sind und diese bestätigen das. Auch die Lehrer informieren ihn, dass die Jugendlichen gut und interessiert mitarbeiten. Leider ist es in Uganda nicht einfach, nach der Ausbildung eine Anstellung zu finden. Gerade Gehörlose haben hier leider eine zusätzliche Hürde zu überwinden. Am Abend kommen wir bei Dunkelheit, sehr müde von den Schlaglöchern und der anstrengenden Fahrt, in Masaka an.

Dienstag, 18.03.2008: Vorbereitungen für den Botschafter

Kinder, Lehrer und Angestellte sind sehr beschäftigt, da sich alle für den Besuch des deutschen Botschafters am morgigen Tag vorbereiten. So versucht Debora den einigen hörenden Kindern noch schnell die deutsche Nationalhymne beizubringen, einige Kinder sind mit Putzen beschäftigt, die Schlafräume werden auf Vordermann gebracht und einige Fahnenmasten werden aufgestellt. Nach einer schnellen Übersetzung der Nationalhymne ins Deutsche üben die gehörlosen Kinder das Lied zu gebärden. Alle sind gespannt auf den hohen Besuch aus Kampala.

Mittwoch, 19.03.2008: Besuch des Deutschen Botschafters Herr Reinhard Buchholz an der Schule

Alle sind schon aufgeregt: Die deutsche Nationalhymne wurde einstudiert, neue Kleidung für die Tänze gekauft, fleißig gekocht, das Gelände geschmückt und Kinder, wie auch Lehrer haben sich herausgeputzt. Schwester Immaculate hat Politiker, Schwestern und Universitätsprofessoren aus Uganda eingeladen und alle sind gut auf die Ankunft des Botschafters um 9.30 h vorbereitet. Doch Herr Buchholz steckt leider in Kampala auf Grund des lybischen Präsidentenbesuchs im Stau. Auch dort hat man sich auf hohen Besuch eingestellt und Straßen gesperrt, was das tägliche Verkehrschaos in Kampala noch verstärkt. Doch in Afrika hat man Geduld und so spielt es keine Rolle, dass sämtliche Menschen drei Stunden auf den hohen Besuch warten.

Begrüßung des deutschen Botschafters
Herzliche Begrüßung

Gruppenfoto mit dem deutschen Botschafter Herr Buchholz
Gruppenfoto

Gespräche mit dem Botschafter 01
Gespräche mit dem deutschen Botschafter Herr Reinhard Buchholz...

Gespräche mit dem Botschafter 02
...und Dolmetscherin Debora

Herr Buchholz wird mit einem Willkommenslied von spalierstehenden Schülern und Lehrern empfangen, im Anschluss gibt es eine kurze Einweisung und eine Führung über das Schulgelände. Fahnen werden gehisst und auch die kleine Panne, dass der Adler auf der deutschen Flagge Kopf steht, tut der guten Stimmung keinen Abbruch. Alle singen fleißig mit und die Schwester ist sehr stolz, als der Botschafter von den selbst gebastelten Crafts (Handarbeiten) einige Dinge abkauft. Auch über das kleine, sportliche Gastgeschenk in Form von zwei Fußbällen freuen sich die Schüler. Herr Buchholz amüsiert sich sichtlich an den Tänzen der Schüler und wippt zum Takt. Im Anschluss versuchen sich sämtliche Redner kurz zu halten, denn der Botschafter hat nur zwei Stunden Zeit vorgesehen, und so entsteht ein straffes aber abwechslungsreiches Programm. Ein kleiner Snack zur Stärkung und schon ist der große Auftritt, auf den man sich ausgiebig vorbereitet hat, vorüber.

Gehisste Fahnen
Die gehissten Fahnen

Gehörlose Kinder beim Tanzen
Gehörlose Kinder zeigen einen Tanz

Botschafter Herr Buchholz und Schwester Immaculate im Gespräch
Botschafter Herr Buchholz mit Schulleiterin Sr. Immaculate

Jedoch freuen sich Kinder wie auch Lehrer über das gute Essen im Anschluss und auch nach Abreise des Botschafters Herr Buchholz wird die Musikanlage ausgiebig genutzt, indem alle ausgelassen tanzen. Es ist erstaunlich, was für ein gutes Taktgefühl die gehörlosen Kinder in Uganda haben und wie elegant sie sich zur Musik bewegen. Ihr Tanz lädt alle zum Mitmachen ein.
Es ist gut, dass Herr Buchholz den Erfolg und die Entwicklung der Schule mit eigenen Augen gesehen hat und so bekommen wir für kommenden Mittwoch 26.03. einen Termin bei ihm für weitere Gespräche und Empfehlungsschreiben. Eine derartige Bestätigung erleichtert es ernorm, an offiziellen Stellen in Deutschland Unterstützung für die Projekte zu bekommen. Gerhard erhofft sich hierdurch auch künftig Unterstützung von der deutschen Regierung und eventuell einen Status als NGO (Nicht-Regierungs-Organisation) in Uganda.

Die Köchinnen
Hauswirtschafts-Köchinnen servieren den Gästen

Botschafter beim Mittagessen
Botschafter Herr Buchholz beim Mittagessen

Debora und Gerhard beim Zuhören
Debora und Gerhard hören dem Botschafter zu

Verasbschiedung des Botschafters
Verabschiedung von Herrn Buchholz

Am Abend treffen wir erneut Schwester Bakuze aus Ntungamo. Sie hat eine aktuelle Liste der bedürftigen Patenkinder vor Ort dabei und zeigt uns die jeweiligen Fotos. Wenn ich nicht studieren würde, würde ich sofort alle Patenschaften übernehmen. Auf einem Foto sieht man vier Geschwister unterschiedlichen Alters, die alle gehörlos sind. In Luganda (Weit verbreitetet Sprache in Uganda) hat jeder Name eine Bedeutung. Da gehörlose Kinder in Uganda als minderwertig betrachtet werden und es häufig ein großer Schock für die Eltern bei der Geburt ist, haben die Eltern ihr erstes Kind "Es gibt noch Hoffnung" genannt. Das zweitgeborene heißt "Gott gibt es trotzdem", das dritte "Wir müssen Geduld haben" und das letztgeborene Kind heißt "Gott ist kein Tier". Alle diese Kinder wurden von den Eltern verstoßen und besuchen nun die Schule von Schwester Bakuze. Auch ein Junge ist auf den Bildern zu sehen, der eine Narbe am Kopf hat. Er hat nur noch einen Vater und der war mit dem gehörlosen Kind überfordert und hat versucht, ihn totzuschlagen. Die Großmutter hat das blutende Kind ins Krankenhaus gebracht und auch er hat nun Dank des großen Engagements von Schwester Bakuze die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Durch das Gebärden wird den Schülern endlich der Anschluss an die Welt ermöglicht.
Auch die erforderlichen Bestätigungen der Bank und Baupläne bringt die Schwester mit und Gerhard ist sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit.

Gründonnerstag, 20.03.2008: Vögel auf dem Dach

Am Morgen fahren wir nach Masaka, um einige Dinge zu erledigen. Unter anderem kaufen wir Maschendraht, der die Tauben künftig davon abhalten soll, in den Dachnischen des Speisesaals Nester zu bauen. Wie viele Dinge hier in Afrika dauert auch unser kleiner Ausflug nach Masaka länger als geplant: Eben mal schnell Maschendraht kaufen geht nicht: Der Besitzer muss Wechselgeld im Nachbargeschäft tauschen, ein Mann wird geholt, der sich mit dem Wiegen der Nägel auskennt und es wird erst noch diskutiert, wie lange die Rolle in etwa sein könnte, um dann schlussendlich doch eine neue Rolle im Nachbarlager zu holen. Auch unsere Mission Internet stellt sich als sehr langatmig heraus, denn das Hochladen einer Seite dauert heute etwa 25 Minuten. Aus einem kurzen Abstecher in die Stadt werden im Nu vier Stunden und so kommen wir pünktlich zum Essen zurück.
Am Nachmittag laufen wir zur Schule, um den Draht am Dach anzubringen, dabei haben wir übersehen, dass heute Gründonnerstag ist und die Schüler nachmittags im Gottesdienst sind. Der Schreiner und zugleich Hausmeister beschließt, bei uns zu bleiben und uns zu helfen. Geschickt klettert er über die wackelige Leiter auf das Dach und fixiert den Draht. Er selbst ist gehörlos und war Schüler an der Schule woraufhin Schwester Immacualte ihn auf Grund seines Talents nach der 7. Klasse gebeten hat, weiter an der Schule zu helfen. Er unterrichtet mittlerweile einige Schüler im Umgang mit Holz und stellt schöne Möbel her. Vielleicht könnte die künftige Berufsschule ein passender Arbeitsplatz für ihn werden. Sicherlich würde er sich über die Maschinen dort freuen, denn momentan beruhen seine Werkstücke lediglich auf Geschick und Handarbeit.

Anbringung Maschendrahtzaun 01
Anbringen des Maschendrahtes...

Anbringung Maschendrahtzaun 02
...gegen die Vögel

Karfreitag, 21.03.2008:Basteln mit den Kindern

Während der Ostertage sind Kinder und Lehrer hauptsächlich mit Beten beschäftigt. Den Kleinen dauert die Messe häufig zu lange, weshalb sie im Speisesaal bleiben dürfen. Nach dem Tod von Lehrerin Rose fehlt den Kindern häufig Beschäftigung in der Freizeit. Oft werden sie vor den Fernseher gesetzt. (Es gibt neben den Farben in der Flagge noch andere Parallelen zwischen Deutschland und Uganda) Debora fängt darum an, mit ihnen ein Memory zu basteln und die Kleinen sind eifrig bei der Arbeit. Auch das Spielen danach bereitet ihnen Freude und sie fragen gleich nach, ob sie am nächsten Tag weiterspielen dürfen. Basteln ist gut für die Feinmotorik der Kinder, denn für die meisten ist es schon eine Herausforderung, Stifte zu spitzen und auch Aufräumen will gelernt sein.

Memory basteln
Memory basteln mit den Kindern

Karsamstag, 22.03.2008: Gespräch mit der Schwester

Am Morgen haben wir ein ausführliches Gespräch mit Schwester Immaculate bezüglich der Patenschaften. Die Schwester versichert, dass sie die Rechenschaftsberichte künftig pünktlicher schicken möchte und Gerhard nimmt sich vor, die Paten zur zeitigen Überweisung aufzufordern. Auch soll ein besserer Austausch stattfinden, was den aktuellen Aufenthaltsort der Kinder anbelangt. Es kommt vor, dass Kinder auf eine Berufs- oder Weiterführende Schule wechseln, ohne dass Gerhard davon unverzüglich in Kenntnis gesetzt wird. Insgesamt sind beide mit der Aktion "Patenschaften" sehr zufrieden und die Kinder entwickeln sich sehr gut. Viele der Kleinen sind so stolz auf ihre Paten, dass sie behaupten, sie hätten einen Vater oder einer Mutter in Deutschland und wenn ihnen Uganda nicht mehr gefällt, steigen sie ins Flugzeug und fliegen zu ihren Eltern nach Europa - so einfach ist das in Kinderaugen.
Die Schwester fügt schüchtern hinzu, dass das Geld bei einigen Kindern nicht mehr ausreicht, denn die Kosten der Lebensmittel sind stark gestiegen. Grund hierfür ist zum einen die unsichere Lage in Kenia, aber auch eine generelle Teuerung bei Lebensmittel, Benzin und vielen weiteren Produkten. Gerhard wird die Abrechnungen überprüfen und sich gegebenenfalls an die jeweiligen Paten wenden. Thema des Gesprächs ist auch die Ausbildung von gehörlosen Kindern nach Abschluss der Schule. Einige Schüler sind so begabt, dass für sie eine Ausbildung zum Meister eine gute Möglichkeit wäre. Leider besteht in Uganda hierzu keine Möglichkeit, da diese Fortbildung den hörenden Kindern vorbehalten ist. Als gehörloses Kind würde hier ein Dolmetscher benötigt, der aus eigener Tasche bezahlt werden müsste, was sich hier niemand leisten kann. Die Schwester ist traurig, dass die Zukunft nach der Primary Schule so ungewiss für viele Gehörlose ist. Gerhard sieht zur Weiterbildung der Schüler eine Möglichkeit für den Einsatz von Handwerkern aus Europa. Allerdings müssten hier noch Bezahlung, Unterkunft und Versicherung geklärt werden.
Am Nachmittag spielen die Kinder Memory und Debora interviewt einige Schüler für ihre Zulassungsarbeit. Die Kommunikation ist nicht einfach und leider nur mit Dolmetscher möglich. Einige Fragen sind auch zu schwer für die Schüler in der dritten Klasse und können noch nicht verstanden werden.

Ostersonntag, 23.03.2008: Deutsches Wetter in Uganda

Gerhard fühlt sich gesundheitlich angeschlagen und sehr müde. Der Ostertag, an dem alle Schülerinnen und Lehrer mit Beten beschäftigt sind, eignet sich gut zum ausruhen und erholen. An Ostern wird hier in Uganda statt mit Ostereiern mit Schleifen geschmückt und mit vierstündigen Prozessionen und ausgiebigen Gottesdiensten gefeiert. Am Abend freuen sich die Kinder über einen Superman-Film, den sie über den Beamer anschauen können. Leider ist die vor Ort gekaufte CD mit verzögertem Untertitel und mit fehlenden Kapiteln ausgestattet, so dass es nur eine halbstündige Vorführung wird.

Ostermontag, 24.03.2008: Abschiedsfeier

Schwester Immaculate möchte zwei ihrer Lehrer ehren, die ihr Studium erfolgreich beendet haben. Gut ausgebildete Lehrer für gehörlose Schüler gibt es derzeit noch zu wenige in Uganda und die Schwester legt großen Wert darauf, dass die Lehrer an der St. Marks School for the Deaf ein Zusatzstudium ablegen. Leider sind es noch zu wenige, die das Gebärden wirklich fließend beherrschen und eine adäquate Ausbildung vorweisen können. Die Lehrerausbildung ist hier in Uganda nicht so geschützt, wie in Deutschland. So kommt es häufig vor, dass Schulabgänger direkt in den Lehrerberuf aufgenommen werden. Auch beträgt die Ausbildung zum Sonderschullehrer hier lediglich drei Jahre.
Teil der Feier ist auch die Verabschiedung von Gerhard und seiner Übersetzerin Debora. Die Schule ist sehr dankbar für die Unterstützung, die sie erfährt und hofft auf weitere Zusammenarbeit.
Es gibt gutes Essen und Kinder, wie auch Lehrer, tanzen ausgelassen zur Musik.

Dienstag , 25.03.2008: Fahrt nach Kampala und Besuch der Berufsschule

Wir verlassen am Dienstagmorgen nach einer kurzen Verabschiedung Masaka und fahren nach Kampala. Gerhard besucht erneut die Berufsschule Namirembe, um sich nach dem Befinden der Patenkinder zu erkundigen und einige Karten für den Verkauf in Deutschland abzuholen. Die Patenkinder geben ihm alle Briefe für ihre Unterstützer in Deutschland mit und sind weitestgehend zufrieden mit der Schule. Kleine Beschwerden gibt es über Nahrung und auch Qualifikation der Lehrkraft.
Debora verbringt den letzten Abend mit einem wiederholten Besuch am Rainbowhouse für benachteiligte Kinder in Kampala. Die Kinder geben ihr selbst gebastelte Ketten zum Verkauf am Afrikatag beim bayerischen Landestreffen für Gehörlose in Nürnberg mit und sind sehr dankbar, dass Herr Ehrenreich den Schmuck für sie verkaufen möchte. Uns wird immer wieder bewusst, wie bodenlos doch die Bedürftigkeit aller Projekte in Uganda noch immer ist und dass die Hilfe kein Ende nimmt.

Mittwoch , 26.03.2008: Besuch des Botschafters Herr Buchholz und Treffen mit Kasumba

Auf Grund der Zeitknappheit beim Besuch der Schule hat uns der Botschafter Herr Buchholz für den heutigen Tag zu einem Gespräch in die deutsche Botschaft eingeladen. Herr Buchholz ist sehr nett und interessiert sich für Herrn Ehrenreichs Engagement für die Gehörlosen in Uganda. Gerhard erkundigt sich nach Möglichkeiten, über Institutionen wie BMZ, GTZ, um Unterstützung zu bekommen. Auch versichert Herr Buchholz, dass er das Schreiben an die Bildzeitung "Ein Herz für Kinder" mit einer Empfehlung unterstützen möchte. Auch pensionierte Lehrer aus Europa (SDE) an der Berufsschule einzusetzen, könnte eine gute Möglichkeit für die Gehörlosen in Uganda sein.
Am Nachmittag sind wir erneut mit Herrn Kasumba verabredet, um noch einmal über den Bau des Kindergartens an der St. Mark VII Schule für Gehörlose zu sprechen. Es werden noch kleine Änderungen vorgenommen und die Ergebnisse können nun von Herrn Burkard Lohmann in Deutschland für die weitere Planung übernommen werden.
Nun sitzen wir am Flughafen in Entebbe und warten auf unseren Abflug. Wir freuen uns auf Deutschland, sind jedoch auch ein wenig traurig, das gute Klima in Uganda gegen Schnee eintauschen zu müssen.

Donnerstag, 27.03.2008

Gegen 6:15 sind wir gut in Brüssel angekommen. Leider müssen wir gut 10 Stunden auf den nächsten Flug nach Frankfurt bzw. München warten. Wir unternehmen eine Fahrt nach Brüssel, um uns die Stadt anzusehen. Das Wetter ist saukalt und wir genießen ein heißes Getränk in einem Cafehaus, um uns nicht zu erkälten. Dann fahren wir mit der U-Bahn bis zur Station Heysel, um das Atomium zu besichtigen. Die erste Weltausstellung war dort in Brüssel.
Wegen dem schlechten Wetter können wir keine weiteren Fahrten unternehmen. Deshalb warten wir geduldig am Flughafen bis zu unserer Heimreise um 16:15 bzw. 17:15.
Wir kommen glücklich aber erschöpft zu Hause an.

Rückblick von Debora Sauer

Herr Ehrenreich und ich haben einen Monat in Uganda verbracht. Dies war mein zweiter Besuch in dem fruchtbaren, afrikanischen Land. Auch bei diesem Aufenthalt konnte ich viele neue Eindrücke erlangen. Im Vergleich zu der Schule, an der ich bei meinem letzten Aufenthalt gearbeitet habe, geht es den Kindern an der St. Mark VII Schule für Gehörlose sehr gut: Die Schule ist gut ausgestattet, die Kinder werden von der Schwester gut betreut und die Räumlichkeiten und die Ernährung sind für Uganda sehr fortschrittlich und keineswegs selbstverständlich. An der St. Mark Schule werden den Kindern wichtige Grundlagen für eine selbstbestimmte Zukunft gegeben. Auch heute noch werden in Uganda behinderte Kinder häufig als minderwertig betrachtet und oft von den Familien vernachlässigt, oder gar verstoßen. An den Schulen für Gehörlose können viele der Kleinen einen neuen Lebensraum finden. Sie bekommen die Chance Freunde kennen zulernen, mit denen sie dank der gemeinsamen Gebärdensprache kommunizieren können und die ihre Probleme verstehen. Es beeindruckt mich, was Herr Ehrenreich bisher für diese Kinder erreicht hat - und dies in einem Entwicklungsland wie Uganda. Wenn man die Fortschritte und die Infrastruktur dieses Landes mit Deutschland vergleicht, könnte man leicht in Frust verfallen. Doch ich denke in der Entwicklungshilfe ist es wichtig, das Land an sich zu sehen, und sich der kleinen Fortschritte der letzten Jahre bewusst zu werden. So lässt sich beispielsweise die stark sinkende Aidsrate nennen, oder auch das veränderte Gesetz, das Schlagen an den Schulen offiziell verbietet. Auch die Schulpflicht, die steigende Anzahl an Sonderschulen und die Sitze im Parlament, die von behinderten Menschen besetzt werden müssen sind zu nennen.
Herr Ehrenreich möchte künftig auch stärker an die Zukunft der Kinder denken und plant darum den Bau einer Berufsschule. Momentan sind Kinder in Uganda nach der Schule häufig arbeitslos und eröffnen einen kleinen Bauchladen auf den Straßen Kampalas oder betteln. Dem soll mit den derzeitigen Plänen vorgebeugt werden. Auch die weiteren Klassenräume und der Bau des Kindergartens sind notwendig. Besonders beeindruckend fand ich Schwester Bakuze und die Lehrerin, die die Kinder in Ntungamo so herzlich und liebevoll betreuen und aus geringen Mitteln mit viel Eigeninitiative das Beste machen. Diese Initiative wünsche ich mir überall in Uganda und Afrika, denn leider habe ich oft den Eindruck, dass den europäischen Unterstützern gegenüber eine große Erwartungshaltung besteht.

Bericht verfasst von Debora Sauer

Sehen Sie sich dazu bitte die untertitelten Bilder 2008 an (werden im Laufe der Zeit aktualisiert).